Geschichte

Die ersten schriftlichen Belege für die Existenz einer Blasmusik in Mitterkirchen finden sich in der Pfarrchronik und reichen
bis in die 1870er zurück. Mögliche frühere Belege wurden beim verheerenden Pfarrhausbrand ein Raub der Flammen.
Regelmäßige Aufzeichnungen, die der Musikverein selbst angelegt hat, setzen überhaupt erst mit Jahresbeginn 1927 ein.
Es sind mündlich weitergegebene Informationen und die allgemeine Entwicklungsgeschichte der Blasmusikkapellen in
unserer Gegend, die nahelegen, dass es seit etwa 150 Jahren ein mehr oder weniger geordnetes aber kontinuierliches Blasmusikleben in Mitterkirchen gibt.

 
19. Jahrhundert

Erste Hinweise auf eine kleine Ortsmusikkapelle reichen etwa bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück: So wissen wir, dass der Vater eines gewissen "Söllinger Flor", er war in Inzing wohnhaft, (bürgerlicher Name ist nicht bekannt) in einer "BANDA" mitspielte. Mit diesem Namen wurden (anfangs kleine Streich- und später auch) Blaskapellen (etwa 5-6 Musikanten) bezeichnet, die sich meist aus ehemaligen Militärmusikanten formatierte. Diese durften nach ihrer Entlassung aus dem Dienst ihre Instrumente zumeist behalten, was die Gründung von Blaskapellen gerade in kleinen Landgemeinden wie Mitterkirchen wesentlich begünstigte.
Von unschätzbarem Wert für den Aufbau und die Festigung des Blasmusikwesens in unserem Ort war die rege Ausbildungstätigkeit von Musikern durch den langjährigen und 1885 verstorbenen Pfarrer Johann Haselgruber und den Oberlehrer Höltschl (†1867), welche auch Streichmusiker ausbildeten. So konnte beim Gründungsfest der Veteranen knapp vor 1870 bereits eine zehn Mann starke Blaskapelle mitwirken.
Der erste mit Name bekannte Kapellmeister war Josef Froschauer vom Gloserhaus (heute Walch z`Mitterkirchen), unter dessen Leitung die Blasmusikkapelle 1890 beim Veteranenfest aufspielte. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts übernahm sein Bruder Franz Froschauer (Baun z`Mitterkirchen) die Kapellmeisterrolle. Bei Pfarrer Johann Haselgruber erlernte er, wie schon sein Bruder, nicht nur Flügelhorn sondern auch das Geigenspielen. Er gründete eine kleine Streichpartie, welche meist bei Tanzveranstaltungen auftrat. Anlässlich des Kaiserjubiläumsfestes in Wallsee am 18.08.1908 beendete Kapellmeister Franz Froschauer seine Tätigkeit. Daraufhin übernahm Johann Klem aus Wörth, der wiederum ein Flügelhornist war, die Leitung der Kapelle.

Die Musikkapelle im Dritten Reich (1938 – 1945)

Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Frühjahr 1938 führte rasch zu einer Umstrukturierung in der Organisation des österreichischen Blasmusikwesens, das gleichfalls an das deutsche angeschlossen wurde. Der Musikverein Mitterkirchen stellt ein gutes Fallbeispiel für den Verlauf des "Anschlusses" in diesem Bereich dar. Bereits am 5.06.1938 wurde der bisherige Kapellmeister Johann Stemmer zum Unterbeauftragten für die Musikkapelle Mitterkirchen vom Stillhaltekommissar für Vereine, Organisationen und Verbände ernannt. In der Folge musste er mittels Fragebogen die Organisationsart, die Tätigkeit, den Zweck und das Vermögen der Ortsmusik bekanntgeben. Daraufhin konnte die sogenannte Neuordnung der kulturellen Gemeinschaften auch bei der nunmehrigen Ortsmusikkapelle Mitterkirchen vorgenommen werden, was vorwiegend im Ausfüllen weiterer Formulare bestand, die die Art und den Status der Ortsmusikkapelle genauestens ermitteln sollte. Weiters war ab 1939 ein Jahresbericht an den Reichsmusikverband zu schicken, der die Mitglieder und ihre Funktion, alle Aktivitäten und die Finanzgebarung des Vereins beinhalten musste.
Durch die schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges forcierte Ausbildung von Jungmusikern durch Kpmst. Stemmer und Weiß konnte im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg durch Militärdienst bedingte Ausfälle eine spielfähige Mitgliederzahl bis Kriegsende aufrechterhalten werden, wobei allerdings die Anzahl der Veranstaltungen von Jahr zu Jahr abnahm.

Die Musikkapelle in der Nachkriegszeit (1945 – 1960)

Aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP legte Johann Stemmer seine Funktion als Leiter der Kapelle zurück, blieb aber als Klarinettist dem Verein erhalten und wurde nach seiner Rehabilitierung zum Ehrenkapellmeister ernannt.
Der Zimmerer Anton Moser übernahm den Kapellmeisterposten und damit die schwierige Aufgabe, für die Musikkameraden Ersatz zu finden. Er verstärkte die Ausbildung von Jungmusikern, nur so konnte an das musikalische Niveau vor Kriegsanbruch angeschlossen werden. Der 1938 versetzte Oberlehrer und späterer Direktor der Volksschule Alfred Ertl wurde vorerst zum Stabführer und Konzert-Dirigenten bestellt, um den Kapellmeister zu entlasten. Erster Obmann der Musikkapelle Mitterkirchen, dessen Agenden vorher mit denen des Kapellmeisters in der Funktion des Leiters vereint waren, wurde Baumeister Ignaz Burghofer, der dieses Amt bis 1960 begleitete. Eine Veränderung in öffentlich-rechtlicher Hinsicht trat 1947 ein, als die Musikkapelle ein behördlich gemeldeter Verein mit eigenen Statuten wurde.
Bis 1948 stieg die aktive Mitgliederzahl auf 28 Mann, daher wurde in diesem Jahr eine neue grau gehaltene Uniform mit grauer Tellermütze beim Mitterkirchner Schneidermeister in Auftrag gegeben.

Die Zeit der zwei Kapellen (1961 – 1975)

Aufgrund von Unzulänglichkeiten, die im Verein zu heftigen Spannungen und Auseinandersetzungen führten, traten Kapellmeister Ertl und Obmann Burghofer mit Jahresende 1959 zurück. Bei der Generalversammlung am 12. Februar wählten die Mitglieder im Vereinslokal (Gasthaus Ecker) unter dem Vorsitz von Bürgermeister Heiml, unter Abwesenheit des bisherigen Kapellmeisters Ertl den neuen Vorstand auf drei Jahre. Zum Obmann wurde Johann Hölzl zu seinem Stellvertreter der Bürgermeister, zum Kapellmeister der bisherige Obmann Ignaz Burghofer und zu dessen Unterstützung gleich zwei Stellvertreter (Anton Moser und Johann Stemmer) bestellt. Schriftführer blieb Karl Wagner. Karl Froschauer übernahm die Aufgabe als Kassier und Josef Jochinger die des Archivars. Dem neuen Vorstand gelang es aber nicht die Missstände zur Gänze auszuräumen und einen Vertrauensbasis der Mitglieder untereinander herzustellen. Um die verfahrene Situation zu überwinden, wurden Ende April and Anfang Mai fünf "Aussprachen" abgehalten, die aber das Gegenteil bewirkten.
Mitte Mai 1961 trennte sich die Gruppe des Musikvereins und gründete am 27.07.1962 die Trachtenkapelle "Stets munter", deren Kapellmeister und Stabführer Anton Baumfried und Obmann Karl Froschauer wurden. Am 10.01.1965 übernahm Josef Jochinger, der eine Kapellmeisterausbildung absolvierte, die Agenden des Kapellmeisters. Ende 1966 wurden neue Instrumente sowie eine neue Tracht angekauft. 1969 wurde in den für die beiden Musikkapellen adaptierten Probenraum ins neue Amtshaus übersiedelt. Musikalische Schwerpunkte waren Frühschoppen, Gartenkonzerte, Hochzeiten, Umrahmung von Firmenfeiern, bunte Abende – mit Mitwirkung der "Sing- und Spielgruppe Pikous" und der aus Vereinsmitgliedern bestehende "Tanzkapelle Benny". Die Kapelle stellte sich auch als Probenorchester für die musikalische Weiterbildung der Kapellmeister auf Bezirksebene durch Landeskapellmeister Zeman sowie bei kirchlichen Anlässen zur Verfügung. Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Trachtenkapelle stellte einen Musikreise nach Frankreich dar.
Auch der Musikverein wurde als "Musikverein der Gemeinde Mitterkirchen" am 15. August 1961 neugegründet. In den neuen Statuten wurden die jährliche Neuwahl des Vorstandes und die Bestellung von Beiräten als Kontrollinstanz aufgenommen, um neuerliche Unzulänglichkeiten vorzubeugen. Obmann und Kapellmeister wurden im neuen Verein bestätigt. Ende September erstattete man im Rahmen eines Ausflugs der Musikkapelle Stockdorf in Oberbayern einen Gastbesuch, wobei die Klarinettistin Christl Moser (1. Blasmusikerin im Bezirk Perg) die Bayern mit ihrem Können in Staunen versetzte.
Da mit Jahresende 1965 Kapellmeister Burghofer seine aktive Mitgliedschaft beendete, kam es zu einer Neu- bzw. Umbesetzung in der Vereinsleitung. Bereits 1965 übernahm Johann Schaurhofer den Stabführerposten und hielt ihn bis 1971 inne. Bei der Jahreshauptversammlung 1966 wurde der bisherige Obmann Johann Hölzl zum Kapellmeister und Franz Lettner (Hackner) zum neuen Obmann gewählt. Unter dem neuen Vorstand nahm der Musikverein regelmäßig bei den Marsch- und Konzertwertungen des Blasmusikverbandes teil und konnte sich über zahlreiche 1. Ränge und 1. Ränge mit Auszeichnung freuen. Diese Erfolge verdankt der Musikverein dem großen Engagement des Kapellmeisters, der die Probentätigkeit verstärkte und die Musiker dafür zu motivierten verstand. Bei der Jahreshauptversammlung 1968 wurde Johann Resch, der seit 196 Vereinsmitglied war, zum Obmann gewählt.

Musikverein im Jahre 1969

Auf Anregung des Blasmusikverbandes entschloss sich der Musikverein, die Austragung eines Vereinskonzertes in sein Jahresprogramm aufzunehmen, wofür die Probentätigkeit allerdings wiederum intensiviert werden musste. Am 15. Dezember 1973 wurde dann das erste Vereinskonzert im Pfarrsaal abgehalten, das bei der Bevölkerung sehr gut ankam und seither einen der jährlich wiederkehrenden Höhepunkte im Vereinsgeschehen darstellt.
In diese Zeit fällt auch das Aufkommen von Tanz-Bands oder Combos mit einer neuen Instrumentalbesetzung, deren Repertoire vorwiegend zeitgenössische Tanz- und Unterhaltungsmusik umfasste. In Mitterkirchen wurden gleich zwei gegründet. Das "Melodia Sextett" ging aus der Trachtenkapelle hervor, sämtliche "Donauspatzen" waren Mitglieder des Musikvereins.

Der Trachtenmusikverein ab 1975

Bereits Anfang der 1970er gab es auf Initiative des Obmanns des Musikvereins, Johann Resch, informelle Gespräche über einen Zusammenschluss der beiden Blasmusikkapellen Mitterkirchen, die 1974 die Abhaltung einiger gemeinsamer Proben unter der abwechselnder Leitung beider Kapellmeister als vorläufiges Ergebnis hatte. In der Folge wurden die Verhandlungsgespräche intensiviert und schließlich vereinbart, dass sich im Frühjahr 1975  die beiden Vereine auflösen und die bisherigen Mitglieder einen neuen Verein gründen.
Bei der Neugründung am 1. April 1975 zählten 33 Mitglieder der ehemaligen Vereine zu den Gründungsmitgliedern. Gleichzeitig wurden der Vereinsvorstand und drei Beiräte für zwei Jahre gewählt, wobei Johann Resch (bisher Obmann des Musikvereins) zum Obmann, Karl Froschauer (bisher Obmann der Trachtenkapelle) zu seinem Stellvertreter, Josef Jochinger (bisher Kapellmeister der Trachtenkapelle) zum Kapellmeister und Johann Hölzl (bisher Kapellmeister des Musikvereins) zum Stellvertreter bestellt wurde. Stabführer wurde Josef Fröschl, Kassier Josef Langeder, Archivar Leopold Löttner und Schriftführer Wilhelm Burghofer. Durch die Vereinigung beider Vereine war auch eine Neueinkleidung notwendig.

Musik im Jahre 1982

Aus dem Tanzbands der beiden Vereine ging schließlich die "Danubia" hervor, die ihren ersten Auftritt bei der Hochzeit eines Musikkameraden am 22. April 1978 in Saxen hatte, aber unter diesem Namen und mit einheitlicher Kleidung erst ab 1982 auftrat und bis 1986 tätig blieb.
Im Zuge der Vereinskonzerte am 28. März 1983 wurde Johann Hölzl zum Ehrenkapellmeister und am 18. März 1989 Karl Froschauer zum Ehrenobmann ernannt. Nach der Errichtung des Musikheimes wandte sich der Trachtenmusikverein wieder mit ganzer Kraft seiner musikalischen Aufgaben zu. Unter der bewährten Leitung des Kapellmeisters und des Stabführers entwickelte sie sich zu einer der engagiertesten Blasmusikkapellen hinsichtlich der Teilnahme an Konzert- und Marschwertungen und war auch sehr erfolgreich. Nach drei Ehrungen durch den Landeshauptmann (1982, 1987 und 1993) für jeweils drei innerhalb von drei Jahren mit "Auszeichnung" bestrittenen Konzertwertungen, wurde dem Trachtenmusikverein am 28. Jänner 1994, im 30. "Dienstjahr" des Kapellmeisters also, die "Kinzl-Medaille" im Linzer Landhaus verliehen, eine Auszeichnung, auf die die Musikanten mit gutem Recht besonders stolz sind, wurde sie doch erst wenigen Kapellen zuteil.
Die Ausbildung und Förderung von Jungmusikern wurde vom Trachtenmusikverein seit seiner Gründung als eine sehr wichtige Aufgabe angesehen. Der Grundstein für erfolgreiche Jugendarbeit wurde 1981 gelegt. Weiters wurde auch die vom Blasmusikverband zur Jungmusikerförderung geschaffene Einrichtung wie das alljährliche "Jungbläserseminar" in Waldhausen oder das "Spiel in kleinen Gruppen" genutzt.

150 Jahre Blasmusik Mitterkirchen

Vom 11. bis 13. Juli 1997 fand mit Mitwirkung der Feuerwehr und des Sportvereins ein Zeltfest, das mit dem Bezirksmusikfest mit Marschwertung seinen musikalischen und optischen Höhepunkt hatte, statt. Die Showband "Okay", die Countryband "Tex Robinson", der Musikverein Windhaag/Perg mit Humorist Franz Greul und die Blaskapelle "Makos" sorgten für beste Unterhaltung. An der Marschwertung nahmen u.a. die Kapellen Allerheiligen, Arbing, Baumgartenberg, Naarn, St. Georgen/Gusen, Saxen, Schwertberg und Waldhausen teil. Wir begeisterten das Publikum mit einem aufwendigen Showprogramm und erreichten von allen Angetretenen die höchste Punktezahl.

Musikheimneubau von 1999 bis 2001 – größte Investition und Arbeitseinsatz in der Vereinsgeschichte.

Obmann Resch hatte schon anfangs der 90er Jahre die Vorstellung beim Musikfest 1997 auch ein neues Heim zu eröffnen. Er musste aber bald erfahren, dass diese Geldmittel vom Land Oö. auf Jahre vergeben sind. So kam die Zusage der Geldmittel im Zuge einer Bedarfszuweisung an die Gemeinde im Jahre 1999 für den Um- und Neubau fast überraschend. Mit Baumeister Hauser aus St. Florian/Linz und der Fa. Fox (Akustik) wurden viele Musikheime in Oö. besichtigt. Es musste daher am ersten Entwurf nur mehr Details verändert werden. Für die Bauzeit wurde im Erdgeschoss der Volksschule ein Saal als Probenraum adaptiert.
Der Trachtenmusikverein ist seit seiner Gründung 1975 einer der wichtigsten Kulturträger Mitterkirchens und aus dem öffentlichen Leben des Ortes nicht wegzudenken. Die in der Vergangenheit erzielten Erfolge und gemeisterten Aufgaben wären aber ohne den großen Rückhalt der Bevölkerung, die seine Veranstaltungen schätzt und seine Anliegen meist Wohlwollen und Unterstützung angedeihen lässt.